Anne Freytag

Zunächst einmal möchte ich mich herzlich bei Ihnen bedanken, dass Sie sich dazu bereit erklärt haben, an dem Interview teilzunehmen.

Um einen kleinen Einblick in Sie als Person zu gewinnen, würde ich gerne wissen, wie Sie sich selbst in drei Worten beschreiben würden.

  • loyal
  • begeisterungsfähig
  • einfühlsam

Nun würde ich gerne etwas mehr Details über Sie als Autorin erfahren.

Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag aus? Haben Sie feste Schreibphasen?

Das kommt darauf an, in welcher Phase des Romans ich mich befinde. Ich brauche immer recht lang damit endlich anzufangen. Da muss sich in meinem Kopf erst alles sortieren und sammeln und „einrasten“. Ich sammle Bilder, Eindrücke, Musik und dann erst kann es losgehen. Wenn das mal passiert ist, dann versuche ich jeden Tag, um neun zu starten, bis elf zu schreiben, dann zu rudern und zu essen und danach wieder drei Stunden zu arbeiten. Gegen Ende des Romans klappt das aber nicht mehr so gut. Da geht dann alles rund, im Sinne von holprig, auf und ab, emotionale Achterbahn.

Wo schreiben Sie am liebsten?

Mal zu Hause, mal im Café.

Was lesen Sie am liebsten und wo? Warum ausgerechnet dieses/diese Genre?

Ich lese so gut wie gar nicht, sondern höre Hörbücher. Da kommt es nicht so sehr auf Genre an – kein Horror, keine Krimis. Wenn mich der Inhalt anspricht und ich die Sprecherstimme mag, kann es losgehen. Ich höre hauptsächlich im Auto und beim Rudern. Ich mag gute und durchdachte Liebesgeschichten, psychologische Thriller, Jugendbücher, die mir etwas „sagen“. Mir geht es mehr um die Charaktere und den Stil als das Genre. Ich will unterhalten und gefangen genommen werden.

Wie lange schreiben Sie durchschnittlich an einem Buch?

Das reine Schreiben ist meistens eine Sache von Wochen. Aber das Überarbeiten dauert ja auch noch eine ganze Zeit und ich muss mich davor ja „vorbereiten“. Ich schreibe in etwa drei Bücher im Jahr mit (meistens zu) wenig Pause dazwischen. Ich würde also sagen, 3-4 Monate vom Anfang bis zum finalen Roman.

Wie kamen Sie auf die Idee, diese schwierige Thematik in einem Buch umzusetzen

Die Idee kam mir über einen einzigen Satz. Ich stand vor einigen Jahren im REWE an der Kühltheke und dachte: „Ich suche einen Freund zum Sterben.“ Dieser Satz hat mich nicht mehr losgelassen. Er wurde auch der Titel des Buches. Es entstanden Figuren, die sich um diesen Satz entwickelten, und dann eine ganze Geschichte. Der Titel hat es leider nicht überlebt und wurde zu „Mein bester letzter Sommer“, aber die Idee kam vor vielen Jahren einfach so zu mir und hat mich nicht mehr losgelassen. Warum kann ich nicht sagen. Aber ich bin froh, dass sie bei mir geblieben ist.

Mit welchem Charakter haben Sie die meisten Gemeinsamkeiten und wieso?

Mit jedem und mit keinem. Jeder Protagonist ist ein eigenständiger Charakter mit einem eigenen Wesen. Wären sie zu nach an mir dran, könnte ich ihre Geschichte nicht schreiben. Das ist mir bereits zwei Mal passiert – diese Geschichten endeten mitten im Satz. Einmal bei Seite 148 und einmal bei Seite 280. Natürlich hat jede Figur ein paar Elemente von mir und auch von den Menschen um mich herum, aber das sind nur Nuancen und sie sind nicht bewusst gewählt – sie fließen ein, wie der Geschmack von Beeren und Pilzen in einen Wein.

Als Ally Taylor haben Sie bereits einige Erwachsenenromane veröffentlicht. „Mein bester letzter Sommer“ ist ihr erster Jugendroman. Dürfen wir uns auf weitere Titel dieses Genres freuen?

Ja, auf jeden Fall! Ich habe gerade meinen zweiten Jugendroman abgegeben – er erscheint im März 2017. Ich liebe dieses Genre – vor allem All-Ager – weil man da in so viele unterschiedliche Themen eintauchen kann. Dieses Buch ist völlig anders als mein erstes Jugendbuch und ich denke, mein drittes wird wieder ganz anders sein – das macht für mich den Reiz aus.

Nun wird es Zeit, ein paar Sätze zu vervollständigen.

Ich bin zum Schreiben gekommen durch … sehr viele Zufälle und über viele Umwege.

Ein perfekter Tag ist für mich … immer wieder anders.

Als Kind wollte ich Meerjungfrau werden.

Meine schriftstellerischen Vorbilder sind … Die habe ich in dem Sinn nicht. Aber das sind ein paar Schriftsteller, deren Stil ich liebe: Patrick Süskind, J.K. Rowling, Nina Blazon, Mhairi MacFarlane, Isabel Bogdan, Jennifer Niven, Gillian Flynn, Paula Hawkins …

Das erste Buch, das ich gelesen habe, war: Von meiner Mutter auf Kassette gelesen: „Die verliebten Riesen“ von Christine Nöstlinger 

Held der Kindheit: Pumuckl 

Zwei Bücher, die ich immer lieben werde: „The Catcher In The Rye“, „Das Parfüm“

Was wäre das Leben ohne Entscheidungen?

Print oder eBook? Praktischer eBook, schöner Print – aber: Hörbuch 🙂

Radio oder CD? Radio und Spotify

Sommer oder Winter? Sommer

Hund oder Katze? Katze

Buch oder Hörbuch? Hörbuch

Kino oder DVD? Launenabhängig 🙂

Hiermit möchte ich mich Herzlich bei Anne Freytag für das angenehme Interview bedanken. Es war mir eine große Freude und Ehre es halten zu dürfen.

Einen Blick auf ihre Seite lohnt sich wirklich.

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